Farthest Frontier

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    • Farthest Frontier

      Steam kennt einen neuen Indie Hit. Okay, die Indie Hits geben sich auf Steam öfter mal die Klinke in die Hand was Top-Chart Platzierungen angeht, aber das ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. Farthest Frontier ist, meiner Meinung nach, auf jeden Fall ein echter Rohdiamant für jemanden der Aufbauspiele mag. Die Macher von Grim Dawn nehmen im Prinzip Banished, packen hier und da etwas neue Würze dazu, eine Prise Anno oben drüber und fertig ist Farthest Frontier:


      Man startet je nach gewählten Schwierigkeitsgrad mit einer mehr oder weniger großen Truppe Dörflern nebst Ressourcen in dem namensgebenden weit entfernten Grenzland und soll eine neue Siedlung aufbauen. Dabei sind die Dörfler der Natur auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Kälte, Raubtiere, Hunger, Krankheiten und viele weitere Übel rücken den Einwohnern zu Leibe, wenn man nicht Acht gibt. Die Jahreszeiten im Blick behaltend ist das erste Ziel, die grundlegende Versorgung sicherzustellen, damit niemand einen vorzeitigen Tod erleidet.
      Im späteren Verlauf werden die Bedürfnisse aber auch anspruchsvoller und die Behausungen können bei Erfüllung stufenweise aufsteigen, Anno lässt grüßen. Es gilt also auch allerlei Ressourcen abzubauen, Handel zu treiben und die Attraktivität und Sicherheit der Siedlung im Blick zu behalten, damit neue Einwohner einwandern. Natürlich zieht eine florierende Siedlung auch Neider an. So kann es zu teils massiven Angriffen von Plünderern kommen, die mit Verteidigungsanlagen und Soldaten abgewehrt werden wollen.

      Was macht Farthest Frontier dabei gut und z.B. besser als Anno?
      • Es ist kleiner als Anno 1800: Klingt erstmal nach einem Nachteil, aber Anno 1800 ist mit seinen mittlerweile halben dutzend Zonen und drölfzig Mechaniken verdammt komplex geworden. Das macht auch viel Spaß, aber manchmal ist auch weniger mehr. Der Fokus auf genau eine Zone mit genau einer Siedlung ist da auch erfrischend abwechselnd.
      • Es ist näher dran: Bei Anno 1800 sind Einwohner eigentlich nur noch eine statistische Größe. Gibt es eine Hungersnot, sinkt die Zahl halt etwas. Läuft es gut, steigt sie. Bei Farthest Frontier sind die Einwohner nicht bloß Nummern. Jeder hat einen Namen, einen Werdegang und ist individuell wertvoll. Wenn bei einer Hungersnot der erfahrene Jäger Gerd stirbt, ist das richtig doof. Klar kann man ihn dann mit Alfred ersetzen, aber Alfred muss sich dann erstmal einarbeiten und bis dahin gibt es noch weniger zu kauen.
      • Jahreszeiten: Die Jahreszeiten Mechanik macht es notwendig zu planen. Wann wird geerntet, wie lange hält sich diese oder jene Nahrung.
      • Es gibt Bauzeiten und Ressourcen existieren physisch in der Welt. Bei Anno ploppt einfach alles sofort auf und Waren sind auf einer Insel überall sofort verfügbar. Das ist an sich auch nicht verkehrt. Aber dass Bauen Zeit kostet, man bei dem Prozess zusehen kann und man auch die Lieferzeiten einplanen muss, hat eben auch seinen Reiz. Die Goldmine am anderen Ende der Karte ist daher ein ganz anderes Bauvorhaben als die Hütte direkt im Siedlungszentrum. Lieferwege müssen ebenfalls bedacht werden. Besagte Goldmine wird lange brauchen, um das lange Erz in die Stadt zu schaffen. Ebenso brauche die Minenarbeiter Nahrung und Schlafplätze usw.
      Es gibt aber auch noch ein paar Dinge, die mich stören bzw. nicht ganz so gelungen sind:
      • Bugs: Manchmal läuft es noch nicht rund. Da brennt z.B. mal ein Gebäude und keiner kommt zum Löschen und man kann das Löschen auch nicht manuell anweisen.
      • Der Kartengenerator ist noch unausgeglichen: Manchmal startet man einfach in einer Wüste, ohne die Möglichkeit zu haben, Nahrung anzubauen oder zu jagen. Oder es gibt auf der gesamten Karte keine Erzvorkommen oder andere Späße. Aber immerhin ist es sehr einfach, dann neu zu starten und das ganze neu auswürfeln zu lassen ohne, dass man nochmal das komplette Spiel neu starten zu müssen und die übrigen Einstellungen erneut setzen zu müssen.
      • Stein ist wertvoller als Gold: Aktuell sind Felsen und Steine auf jeder Karte eine derart begrenzte Ressource, dass sie im Prinzip wertvoller als Gold sind. Insbesondere im späteren Spiel, wenn es Steinmauern braucht oder viele Gebäude Stein benötigen, wird es unnötig knifflig. Eine Steinmine oder ähnliches könnte hier Abhilfe schaffen. Oder die anderen Minen könnten Stein als Nebenprodukt abwerfen etc.
      Für ein Early Access Spiel läuft insgesamt dennoch erstaunlich viel rund und ich habe schon einige spaßige Stunden im Titel verbracht. Es bringt definitiv willkommene Abwechslung zu Anno 1800, das mir mittlerweile manchmal einfach schon zu komplex und groß ist, für eine gemütliche abendliche Partie.
      Spannend wird, wie die Entwickler nun an den Schwächen arbeiten und auch den Early Access irgendwann verlassen.

      Für Fans von Aufbauspielen dennoch eine absolute Empfehlung meinerseits und mit aktuell unter 30 € auch nicht allzu teuer! :grinning: :thumbsup: