​Gibt es keine guten allround Monitore mehr? Meine Odyssee zu einem neuen Bildschirm​

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    • ​Gibt es keine guten allround Monitore mehr? Meine Odyssee zu einem neuen Bildschirm​

      Es ist beinahe schon wieder fünf Jahre her, wo ich mir zwei neue Monitore kaufte und mich dabei arrangierte. Ans sich hatten sie ein super Bild, waren aufgrund der Beschichtung aber eben auch mit einem starken Kristalleffekt unterwegs (Asus PB277Q und der Kristall-Effekt).
      An den gewöhnte ich mich tatsächlich mit der Zeit, doch wie es manchmal so ist, sieht das gewohnte plötzlich dann doch nicht mehr so gut aus. Mein Arbeitgeber hat mir nämlich im Büro einfach zwei neue Monitore hingestellt und dank abklingender Pandemie war ich jetzt wieder öfter im Büro unterwegs.
      Was soll ich sagen? Plötzlich wirkten meine heimischen Bildschirme nicht mehr so schick und der Kristallglitzer fiel mir wieder deutlich stärker ins Auge, im Vergleich zu den beiden eigentlich schnöden Dell IPS Monitoren. Ebenso die Tatsache, dass meine heimischen Schirme normale TN-Panele benutzen, was in schlechter Farbwiedergabe und schlechter Blickwinkelstabilität mündet, bemerkte ich nun wieder arg.
      So irrational das an sich ist, so machte ich mich dennoch auf die Suche nach zwei Nachfolgern und damit beginnt jetzt meine Reise durch die modernen Welten der Gaming-Monitore und des Überangebots. War die Auswahl vor den knappen fünf Jahren doch irgendwie überschaubarer, was QHD (2560 x 1440 Pixel) angeht, ersäuft man heutzutage in Bildschirmen mit dieser Auflösung und allerlei mehr oder minder nützlichen Gaming Features.
      Ich startete mit eigentlich nur vier Kriterien:
      1. QHD Auflösung: 4K macht meine Grafikkarte nicht mit und es wird auch nicht in absehbarer keine Karte einziehen, die wesentlich mehr leisten wird.
      2. IPS Panel: Ich will endlich schöne Farben und stabile Blickwinkel haben.
      3. Hohe Bildwiederholrate: Bei einem bekannten sah ich ein Bildschirm mit 170 Hz und da war mir klar, dass will ich auch.
      4. Er sollte augenfreundlich sein, sodass auch stundenlange Büroarbeit möglich ist.
      Dazu kam noch die nicht ganz unwesentliche Einschränkung, dass die Monitore nicht mehr als 400 € pro Stück kosten sollten. Ich dachte, das würde die Auswahl stark einschränken, doch es gab und gibt dazu immer noch ein enormes Angebot.

      Acer XV272UKV


      Meine Reise begann mit einem Acer XV272UKV und damit mit einer ersten Enttäuschung. Zwar war der Monitor zu dem Zeitpunkt sehr günstig und die 170 Hz fühlten sich super flüssig an, aber die Farbwiedergabe war derart überzeichnet, dass einem nach kurzer Zeit die Augen schmerzten. Die kleinsten Farbtupfer, wie z.B. Emojis auf einer ansonsten weißen Website, brannten sich sofort in die Netzhaut ein.
      Es war also ein Graus, mit dem Monitor irgendetwas anderes zu machen, als zu spielen oder Filme zu gucken. Und je nach Film oder Spiel war auch das kein Vergnügen. Diese stark überstrahlenden Farben bekam ich auch nicht mit den, zugegeben recht reichhaltigen Einstellungsmöglichkeiten des Geräts in den Griff, auch über Treiber und andere Softwarelösungen blieb einem nur die Wahl zwischen extrem strahlenden Farben und einem fast schwarz-weißen Bild.
      Dazu gesellten sich noch ein paar andere Schwächen. Der Kontrast war im Vergleich zu meinen alten TN-Panelen kaum besser. Ab Werk war ein Grünstich vorhanden, der ebenso kaum zu eliminieren war, wie die strahlenden Farben und die Hintergrundbeleuchtung war aus der Hölle: In dunklen Bildszenen konnte man in den beiden unteren Ecke riesige Lichthöfe ausmachen. Gleichzeitig war in den oberen Ecken ein Schatten zu erkennen und am Bildrand legte sich ebenso ein Schatten, der bei maximierten Fenstern sogar schon das X zum Schließen undeutlich werden ließ.
      Die Kiste ging also zurück und ich war etwas erstaunt, warum der Monitor in diversen Test im Netz für herausragend befunden wurde.

      LG 27GP850


      Meine Irrfahrt bekam also eine zweite Station und ich landete bei dem LG 27GP850. Das erste Anschalten war leider ebenso eine Enttäuschung. Der Kontrast war dermaßen mau, dass dagegen sogar mein oller Laptop mit seinem Stromspar-Display irgendwie ein knackigeres Bild produziert. Ebenso war er wieder mit der extremen ungleichen Hintergrundbeleuchtung gesegnet und hatte irgendwie in der rechten Bildhälfte einen Gelbstich.
      Letzterer soll angeblich nur bei manchen Geräten auftreten, weswegen ich mir noch einen zweiten schicken ließ. Der hatte keinen halben Gelbstich, dafür aber eine linke Bildhälfte, die deutlich erkennbar dunkler war als die rechte… Positiv wirkte dagegen die Reaktionszeit. Da war nichts mehr von Schlieren zu sehen und die Farben wirkten auch deutlich ausgewogener als beim Acer. Büroarbeit wäre damit gut möglich gewesen, wenn der Standfuß nicht so schlecht gewesen wäre. Die Höhe ließ sich ungünstigerweise nur marginal verändern. Klar, ein separater Standfuß könnte man nachkaufen, aber das wären weitere Kosten. Ich schickte am Ende beide Geräte wieder zurück. Für das Geld, sie waren nämlich knapp an der 400 € Grenze zu der Zeit, wollte ich dann doch etwas mehr haben.

      ASUS TUF Gaming VG27AQ


      Kurz vorm Aufgeben, ließ ich mich aufgrund eines sehr günstigen Angebots dazu hinreißen einen ASUS TUF Gaming VG27AQ zu ordern. Beim ersten Anschalten durchaus erstaunen. Der Kontrast war wirklich gut und das Bild knackig, aber ohne überzeichnete Farben. Ebenfalls herausragend war die Klarheit des Bildes. Wiesen der LG und der Acer noch einen sehr leichten, aber gerade noch erkennbaren Glitzereffekt auf, ist der ASUS wirklich absolut glasklar. So wenig Glitzereffekt habe ich noch nirgends wieder gesehen, zumindest nicht bei matten Schirmen.
      Die Ausleuchtung wirkte auf den ersten Blick gleichmäßig. Auf den zweiten Blick sah man bedauerlicherweise, dass Bereiche dunkler und heller waren, über den gesamten Screen verteilt. Das sah man allerdings nur bei sehr hellen Farben oder weißen Flächen. Erstaunlicherweise kam dies offenbar aber nicht durch Lichthöfe zustande. In dunklen Szenen wirkte der Bildschirm herausragend gleichmäßig schwarz, vom IPS Glow bei leicht versetzten Betrachtungswinkeln einmal abgesehen.
      Dennoch tauschte ich das Gerät noch einmal aus, da Bewertungen bei Amazon nahelegten, diese ungleichmäßige Beleuchtung sei Serienstreuung und nicht bei jedem Gerät vorhanden. Tatsächlich zeigte das Austauschgerät ein deutlich gleichmäßigeres Bild, obschon es noch immer leichte Ungleichmäßigkeiten zu sehen waren. Aufgrund des guten Kontrasts, der Ausgewogenheit der Farbdarstellung und des guten Standfußes, beschloss ich trotz dessen diesen Monitor zu behalten. Obwohl seine Reaktionszeit nicht so gut war, wie die des LGs.

      Meine Reise endet hier jedoch noch nicht, denn die Bestellung eines zweiten Geräts wurde noch einmal zur Herausforderung. Offenbar hatte ich mit meinem Austauschgerät enormes Glück, denn die Serienstreuung scheint enorm zu sein. Der zweite Monitor kam nicht nur mit einem sehr deutlichen Schatten in der oberen rechten Ecke daher, sondern auch mit einem ausgeprägtem Gelbstich in der unteren linken. Ich tauschte ihn nochmal aus. Insgesamt vier (!) weitere Monitore gingen über meinen Schreibtisch, da alle verschiedene Variationen der ungleichen Beleuchtung. Gelbstiche oder Pixelfehler aufwiesen. Erst das letzte Gerät war dann ähnlich gut, wie mein erster (eigentlich ja auch schon zweiter) Bildschirm, sodass der als Sidekick bleiben durfte.

      Dennoch muss man am Ende festhalten, dass auch dieser Monitor nur ein Kompromiss-Monitor ist. Der Kontrast ist herausragend, die Reaktionszeit zwar besser als bei meinem alten TN, aber sichtbar schlechter als z.B. beim LG. Die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung aber je nach Gerät äußerst fragwürdig. Generell fand ich bei allen Monitoren, die während dieser Odyssee über meinen Schreibtisch gewandert sind, die Ausleuchtungsproblematik bemerkenswert. Alle Geräte wiesen sie mehr oder weniger stark auf. Gut, ich dachte, das sei so, weil ich ja doch in einer eher gemäßigten Preisklasse unterwegs bin, aber wenn ich z.B. auf Seiten wie rtings.com ins Hochpreissegment schaue, offenbar sich da in den Kategorien der Ausleuchtung und der »Gray uniformity« ähnliche durchwachsene Bilder.
      Im Alltag fällt das nicht so oft auf. Am ehesten noch auf Webseiten mit großflächigen einheitlichen Farben im mittleren Helligkeitsbereich. Aber dennoch frage ich mich, was so schwierig daran ist einen Monitor zu konstruieren, der einfach eine gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung mitbringt. :thinking:

      Ich bin dennoch einigermaßen zufrieden mit meinem ASUS TUF Gaming VG27AQ. Wohl wissend, dass es ähnlich wie damals der PB277Q ein Kompromiss ist. Nahm ich damals den starken kristallenen Glitzer in Kauf, lebe ich nun damit, dass manche Teile meines Screens ein klein wenig heller sind als andere. Dafür ist das Bild jetzt glasklar und deutlich kontraststärker. Auch die 165 Hz in Kombination mit G-Sync sorgen für Freude in manchen Spielen. Doch ein rundum zufrieden Monitor scheint es nicht zu geben. Zumindest im Gaming tauglichen Segment, wenn das Gerät auch für Büroarbeit herhalten soll. Wendet man sich den Monitoren für Bildbearbeiter zu bekommt, man wohl deutlich homogener ausgeleuchtete Geräte mit noch besserem Kontrast. Aber dafür gibt es meist nur 60 Hz und eine lahme Reaktionszeit. :confused:

      Gibt es denn keine guten Allrounder mehr?