Das SHIFTmu: Smartphone, Tablet und Laptop in einem – wie viel Modularität ist sinnvoll?

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    • Das SHIFTmu: Smartphone, Tablet und Laptop in einem – wie viel Modularität ist sinnvoll?

      Als »modular universal computer« beschreibt sich das neue Konzept aus der deutschen Smartphone-Schmiede SHIFT und soll – laut Herstellerangabe – »das erste echte universelle All-in-One Device in der Computergeschichte« darstellen.


      → Zum Blogeintrag auf shiftphones.com

      SHIFT hat sich in erster Linie fair gehandelten Komponenten und nachhaltig produzierten Geräten verschrieben. Die Smartphones sind ein bisschen teurer als vergleichbare Produkte anderer Hersteller, die Lieferzeiten sind etwas länger (ich warte immer noch auf meins …) und die Auswahl ist insgesamt eher überschaubar. Dafür legen sie viel Wert auf Features, die andere Hersteller gerne vermissen lassen: Leichte Reparierbarkeit beziehungsweise Austauschbarkeit der einzelnen Komponenten, einfach wechselbarer Akku, Dual-Sim-Option, Erweiterbarkeit durch Speicherkarten und ein möglichst schlankes Android-OS ohne Bloatware.

      Jetzt hat man ein neues Ziel ins Auge gefasst: Ein Smartphone hat heutzutage jeder und auch immer dabei, deshalb soll es in Zukunft am besten alle anderen Geräte ersetzen. Das Smartphone als technischer Kern von Tablet und Laptop. Das soll praktisch und nachhaltiger sein und obendrauf noch Müll vermeiden …

      … aber ehrlich gesagt, überzeugt mich das Konzept hinten und vorne nicht. Dazu muss ich vielleicht sagen, dass ich den Gedanken hinter der Firma (fair und nachhaltig produzierte Geräte, die man problemlos selbst reparieren kann mit Ersatzteilen direkt vom Hersteller) schon gut finde und mir auch die Smartphones zusagen. Und zwischenzeitlich hatten sie ein anderes (aber ähnliches) Produkt in der Pipeline, das ich viel reizvoller fand, nämlich die Kombination aus Laptop und Tablet, also im Grunde ein sehr schlanker Laptop mit abnehmbarer Tastatur. Das haben sie jetzt aber wohl eingestampft und werben seit Neuestem für das SHIFTmu, das noch einen Schritt weitergeht.
      Beim SHIFTmu stellt das Smartphone seine Rechenleistung zur Verfügung und lässt sich durch zusätzliche Komponenten erweitern. Durch einen angeschlossenen Hub werden Aus-/Eingänge für Monitor, Tastatur und USB bereitgestellt, außerdem gibt es einen Touchscreen (für die Tablet-Funktionalität) und eine Tastatur (für die Laptop-Funktion). Als Betriebssystem bietet man Android an, aber auch Windows soll parallel auf dem Gerät lauffähig sein, damit ein ordentlicher Desktopbetrieb ermöglicht wird.

      Für mein Gefühl wird die Modularität, die ich bei der Variante Tablet/Laptop noch ziemlich clever fand, hier zum Stolperstein. Ein Laptop, den ich bei Bedarf mit einem Handgriff zum Tablet umfunktionieren kann beziehungsweise ein Tablet, das ich fix mit einer physischen Tastatur ergänzen kann, ist eine gute Sache. Ein Smartphone, für das ich einen Hub, einen Bildschirm, eine Tastatur und noch einen Ständer brauche, um daraus so eine Art Laptop zu basteln, klingt für mich eher mühsam und unhandlich. Mal davon abgesehen, dass ein Smartphone auch hardwaretechnisch nicht die Möglichkeiten bietet wie ein Gerät in der Größe eines Tablets. Prozessor, Speicher, Akku, alles Wichtige steckt im Smartphone und ist entsprechend limitiert in seiner Leistung. (Vom Vergleich zu einem ordentlichen Notebook oder gar Desktop-Computer mal ganz abgesehen.)
      Einen echten Platzvorteil sehe ich auch nicht, Smartphone + Touchscreen-Modul einzupacken, ist eigentlich auch nicht viel anders von Größe und Gewicht als ein Smartphone plus ein vollwertiges Tablet, wirklich etwas eingespart hat man da also nicht. (Ähnlich sieht es aus, wenn dann noch Hub und Tastatur dazukommen, auch da gewinnt man nicht viel im Vergleich zu Smartphone + Laptop.)
      Und dann ist da noch die Sache mit dem Nutzungsverhalten. Ich finde es schon gut, Smartphone und Desktop oder Laptop parallel nutzen zu können. Es gibt da auch gar nicht so viele Berührungspunkte, ich habe an meinen Computer sehr andere Ansprüche und Erwartungen als an mein Smartphone. Ich benutze mein Smartphone zur Kommunikation, als Kalender, zum Musik hören und als Kamera. Mit meinem PC beziehungsweise meinem Laptop mache ich alles andere – teilen tun sich die beiden Geräte vielleicht den Browser und das Streamen von Videos und Musik, sonst nichts. Und ein bisschen Redundanz schadet ja auch nicht bei solchen Geräten, wenn Laptop oder Desktop mal ne Macke haben, lässt sich schnell auf dem Smartphone nach Hilfe googeln und eigentlich möchte ich mir auch keine Gedanken machen, ob nach ein paar Stunden Netflix auf dem Laptop noch genug Akku für die Navigation per Smartphone übrig ist. Irgendwie ist es doch ganz gut, wenn da nicht alles an einem Gerät hängt.

      Aber wie ist das bei euch? Ist das eine Entwicklung, die ihr euch für die Zukunft vorstellen könnt? Ein größerer Touchscreen fürs Smartphone wäre oft ja doch ganz praktisch zum Beispiel und vielleicht proifitiert man auch davon, alle seine Daten und Programme immer in der Hosentasche zu haben. Aber lohnt sich dafür das Wirrwarr an Modulen, das man mitnehmen muss, um für alle Fälle gerüstet zu sein? Ist das Risiko nicht zu hoch, dass man bei Verlust/Defekt des Smartphones plötzlich hardwaretechnisch auf dem Trockenen sitzt? :thinking:
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    • Ich persönlich glaube auch nicht, dass dieses »Ein Gerät für alles« Zukunft hat. Die Nutzung ist zu kompliziert, man schleppt zu viel mit herum und wenn ich dieses eine Gerät ändert werden unter Umständen wieder neue Adapter und Peripherie fällig.

      Selbst wenn man das alles irgendwann drahtlos hätte und das Smartphone irgendwann nur noch auf den Schreibtisch gelegt werden müsste, damit die Desktop/Laptop Komponenten funktionieren, wäre trotzdem alles tot, wenn das Gerät abhanden kommt.
      Ich glaube daher die Zukunft wird eher in totale Vernetzung der einzelnen Geräte gehen über die Cloud oder vermutlich direkt drahtlos, aber eben so, dass die Geräte auch so an sich funktionieren. Ich denke da ein bisschen so an Sci-Fi Serie »The Expanse« wo man Daten, Bilder und Videos einfach vom Smartphone (oder was auch immer das da war) auf andere Smartphones oder Fernseher/Wanddisplay hinwischen konnte und dort dann verwendete. Die zugrundeliegende Technik und selbst das Betriebssystem treten dabei dann völlig in den Hintergrund.

      Aber im Hier und Jetzt habe ich persönlich auch noch nie so konkret dran gedacht, dass es toll wäre, wenn mein Smartphone auch mein Laptop wäre. :thinking: Ich kann mir da einfach keine großen Vorteile vorstellen: Bilder, Videos, Dokumente, Dateien, E-Mail Konten, Kalender, Kontakte, Passwörter und Browserlesezeichen werden ohnehin über unterschiedliche Cloudlösungen und Dienste synchronisiert oder auf Abruf bereitgestellt (das meiste über die private Nextcloud). Da fehlt mir eigentlich nichts. Hakelt vielleicht mal ein bisschen oder muss manuell angestoßen werden, aber richtig Probleme macht das nie. Einzig und allein ohne Internetverbindung guckt man in die Röhre.