Könnten Abonnements die Zukunft der Videospiele werden?

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    • Könnten Abonnements die Zukunft der Videospiele werden?

      Videospiele sind teuer. Und es gibt mehr, als man eigentlich spielen kann. Und manche kauft man – und lässt sie dann doch nur im (digitalen) Spieleregal verstauben. Wirklich nutzen tut man die wenigsten Spiele dauerhaft.

      Die Entwicklung erinnert mich so ein bisschen an den Film- und Serienmarkt und hat mich ins Spekulieren gebracht: Werden wir irgendwann einen ähnlichen Umschwung bei Videospielen erleben, wie wir ihn beim Fernsehen hatten? Wird der Trend irgendwann weggehen vom Kauf einzelner Vollpreistitel und hin zu Abonnements, bei denen der geneigte Spieler lieber monatlich einen festen Betrag abdrückt und im Gegenzug Zugriff auf eine große Spielebibliothek erhält? In ganz kleinem Rahmen findet das ja bereits statt; PlayStation Plus und Xbox Games with Gold bieten den zahlenden Mitgliedern jeden Monat Zugang zu ein paar Titeln. Aber das ist noch weit von dem Umfang entfernt, den Portale wie amazon Prime Video oder Netflix ihren Abonnenten bieten, und vor allem handelt es sich bei der Auswahl eher um einen netten Bonus, nicht um heißersehnte Titel frisch aus der Spieleschmiede.

      Aber könnte so ein Geschäftsmodell überhaupt die Entwicklung hochwertiger neuer Titel finanzieren? Das klingt ein bisschen absurd, schließlich ist Entwicklung eine ziemlich teure Angelegenheit – aber vielleicht ist das ein Trugschluss. Netflix und amazon stocken ihre Budgets für Eigenproduktionen gerade fleißig auf und lassen dabei viele der alten Sender und Netzwerke ziemlich alt aussehen: amazon pumpt dieses Jahr viereinhalb Milliarden Dollar in eigene Produktionen und Netflix sogar noch zwei Milliarden mehr. Offenbar ist die Entwicklung von eigenen Formaten doch profitabler als nur die Rechte an fertigem Material aufzukaufen. Die kreative Kontrolle ist größer und Nischenprodukte haben eher eine Chance, ein Publikum zu finden, als es bei normalen Sendern der Fall ist. Gerade dieses Erschließen von Nischen erinnert mich – zumindest ein kleines bisschen – an den wachsenden Indie-Markt bei Computerspielen, an Early-Access-Titel, Steam Greenlight und die unzähligen Kickstarter-Kampagnen … Interesse an qualitativ hochwertigen Produkten abseits des Mainstreams scheint also reichlich vorhanden zu sein, vielleicht ließen sich solche Projekte durch ein Abo-Konzept besser und zuverlässiger querfinanzieren.

      Tja, ich gebe zu, es ist kein so richtig durchdachtes Konzept und mit dem heutigen Videospielemarkt nur schwer vorstellbar. Aber wenn ich so rechne, was ich für Streaming-Abos ausgebe … :thinking: Das ist auf jeden Fall mehr, als ich früher in DVDs oder Ähnliches investiert habe. Und mir würde es wahrscheinlich auch deutlich leichter fallen, monatlich in ein Spiele-Abo zu investieren als hin und wieder in Einzeltitel, gerade, weil man weiß, dass bestimmt etwas dabei ist, woran man Spaß haben wird und der ganze Entscheidungsprozess fällt weg. Nicht mehr die Frage, ob man jetzt schon kaufen oder doch noch warten sollte, ob’s nicht bald ein billigeres Angebot gibt, ob nicht erst noch ein paar Bugs ausgemerzt werden müssen, ob es überhaupt ordentlich läuft und wirklich auf lange Sicht Spaß macht oder ob man den Kauf vielleicht bereut, weil man lieber in ein anderes Spiel investiert hätte. Man sucht sich einfach was aus der Bibliothek aus und spielt es an und solange es Spaß macht, bleibt man dabei. Und man würde bestimmt auch eine Menge Titel entdecken, die man sich sonst nie angesehen hätte.

      Also so ganz uninteressant finde ich den Gedanken nicht, wie sieht’s bei euch aus?
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    • Das ist tatsächlich gar keine so üble Idee. Man stelle sich vor, man bekäme für 9,99 € im Momant Zugriff auf die komplette Steam Bibliothek oder zumindest auf einen Großteil davon. :heart_eyes: Ich würde es wohl direkt kaufen und an mir würden sie sogar auch noch sehr gut verdienen, denn auf das Jahr gerechnet mache ich bei Steam mittlerweile bestimmt weniger Umsatz als 120 €.
      Zudem könnte man solche Abos auch staffeln, sodass man für alle aktuellen AAA-Titel vielleicht mehr hinlegt oder es spezielle Indie Pässe gibt usw. usf.

      Einen kleines Experiment derart hat EA ja schon mit Origin Access gestartet. Die Auswahl ist noch etwas dürftig, aber für 3,99 € im Monat kann man bspw. immer die aktuellste Fifa Version spielen. Da könnte mancher Fußballfan schon richtig sparen, da er nicht jedes Jahr einen Vollpreistitel zahlen müsste.

      Ja, ich glaube das Modell hat mehr Zukunft als man sich aktuell vorstellen kann, doch es wird vermutlich noch einige Zeit dauern, bis es breite Akzeptanz finden wird. Für eher sporadische Spielertypen – wie ich einer bin – wäre ein solches Modell wirklich toll. Viele Spiele lasse ich einfach aus, weil ich unsicher bin, ob ich sie wirklich dann durch zocken will bzw. überhaupt die Zeit dazu habe. Mit einem Abo könnte man viel unverbindlicher einfach der Laune nach Titel ausprobieren und spielen. :slight_smile:
      Ich vermute mal ganz stark, dass Steam irgendwann diesen Weg auch gehen wird. Erst weich, sodass die Entwickler bzw. Publisher vielleicht selbst entscheiden, ob sie teilnehmen und – ganz viel später – ggf. sogar verpflichtend teilnehmen müssen, um Zugang zu Vertrieb zu erhalten. Der weiche Weg wäre eigentlich jetzt schon gut vorstellbar: Wer teilnimmt bekommt aus dem Abo-Pott seinen Anteil ausgezahlt, je nachdem wie viel der Titel gespielt wurde. Das lässt sich mit Steam recht gut erfassen. Dann könnte man verschiedene Preiskategorien anbieten und die Anbieter suchen sich aus in welchen Pott sie ihr Spiel werfen.
    • Nexan schrieb:

      Ich vermute mal ganz stark, dass Steam irgendwann diesen Weg auch gehen wird. Erst weich, sodass die Entwickler bzw. Publisher vielleicht selbst entscheiden, ob sie teilnehmen und – ganz viel später – ggf. sogar verpflichtend teilnehmen müssen, um Zugang zu Vertrieb zu erhalten.
      Ich hatte gar nicht so richtig auf dem Schirm, wie mächtig Steam schon geworden ist :astonished: 2010 gab es auf Steam noch 20 Millionen aktive Benutzerkonten, 2015 waren es schon 125 Millionen. Wenn man mal hier einen Blick reinwirft: store.steampowered.com/stats/, sieht man schon an einem durchschnittlichen Tag 7 bis 12 Millionen Spieler gleichzeitig online. Steam erreicht 237 Länder weltweit und allein letztes Jahr kamen über 6000 neue Spiele dazu.

      (Interessant ist auch, wie unausgeglichen die Top 10 der meistgespielten Spiele aussieht. Dota 2 und CS:GO dominieren die Statistik mit weitem Abstand, je weiter man in der Top 100 dann nach unten wandert, desto kurioser werden die Titel teilweise. Und desto mehr »einmal für wenig Geld kaufen, dann lange spielen«-Titel sind dabei, an denen Valve wahrscheinlich gar nicht mal so viel verdient hat.)

      Zu 2017 hab ich leider keine Zahlen zur Gesamtnutzerzahl gefunden, aber der Trend geht wohl nach oben. (Zum Vergleich: Netflix hat aktuell knapp 100 Millionen zahlende Kunden, eine ähnlich steile Kurve wie bei Steamaccounts. 2011 waren es noch 25 Millionen, 2014 dann 50 Millionen.)

      Natürlich lassen sich die Steamkonten jetzt nicht eins zu eins in zahlende Abonnenten umrechnen, weil nicht jeder bezahlen wollen wird und viele Menschen bestimmt auch mehr als ein aktives Steamkonto haben, aber die pure Masse an Spielern ist dennoch beeindruckend :thinking:

      Und ja, rein subjektiv betrachtet: Ich würde auch sofort und ohne nachzudenken die 9,99€ im Monat zahlen, um mich in der Steambibliothek mal so richtig austoben zu können. Mir würde es sogar schon reichen, wenn man dafür Zugang zu allen Titeln älter als sechs Monate oder ein Jahr oder so bekommen würde.
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