Waren Spiele früher magischer oder waren wir einfach dümmer?

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    • Waren Spiele früher magischer oder waren wir einfach dümmer?

      Zugegebenermaßen ein etwas provokanter Titel, aber ein Gedanke, der mir die letzten Tage über durch den Kopf gegangen ist. Wie es sich für jeden alternden reifenden Videospieler gehört, lande ich regelmäßig bei der Frage, warum die Spiele früher einfach mehr Eindruck hinterlassen haben. Irgendwie hat das doch alles mehr Spaß gemacht, man konnte sich viel mehr in die fremden Welten hineinversetzen, man konnte viel mehr Zeit mit den Details verbringen und, ach, früher war doch einfach alles besser und schöner und noch nicht so ein Einheitsbrei wie heute :older_man: Und natürlich kenne ich die ganzen Argumente dazu: Man war eben jünger. Man war leichter zu beeindrucken. Man hatte viel mehr Zeit und viel weniger Pflichten und Verantwortungen im Leben, die einem den Spielspaß verhageln konnten. Und man kannte ja auch nichts anderes, die Auswahl an Titeln war begrenzt und Informationen gab es bestenfalls aus Zeitschriften oder aus zweiter und dritter Hand von Freunden und Bekannten – kurz gesagt, da wurde noch gespielt, was auf den Tisch kam und man hat eben das Beste daraus gemacht.

      Ein Punkt, der mir bei der Diskussion bis jetzt gefehlt hat, ist die Tatsache, dass zumindest ich gerade die Spiele, die ich als am besten in Erinnerung habe, damals oft gar nicht so richtig verstanden hatte. Das lag zum Teil natürlich am Alter, zum Teil an der Sprachbarriere, weil die Titel oft auf Englisch waren, und zum Teil auch daran, dass viele Spiele auch mit Informationen gegeizt haben; vieles ließ sich nur durch Zufall herausfinden oder blieb für immer ein Mysterium. Und damals hat mich das auch nicht gestört.

      Im Gegenteil: Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung, dass gerade dieses Nichtwissen und Nichtverstehen die Spiele interessanter und zugänglicher gemacht hat. Heute fällt es mir schwer, mich so einfach auf ein Spiel einzulassen. Einfach mal drauf los zu spielen und zu schauen, was passiert, ohne mir dabei bei jeder Entscheidung Gedanken darüber zu machen, ob das jetzt nicht nur die richtige, sondern wirklich die beste ist. Ob einem nicht was entgeht, ob man nicht noch ein paar bessere Stats rauskitzeln kann, ob das wirklich effizient ist, ob ich mir gerade eine Möglichkeit verbaue oder einen Nebenquest übersehen habe (und natürlich ärgere ich mich auch unverhältnismäßig stark darüber, wenn sich eine Entscheidung dann tatsächlich mal als nicht ideal herausstellt) – um’s zusammenzufassen: Ich mach mir so viele Gedanken darüber, wie ich das Spiel spielen soll, dass das Spiel selbst in den Hintergrund rückt. Und manchmal fühlt es sich dann schon regelrecht nach Stress an; da ist es auch kein Wunder, dass man sich nicht mehr so vom Spiel mitnehmen lassen kann.

      Erstickt der Spielspaß irgendwann unter zu vielen Meta-Gedanken? Ist es nicht schöner, man tut in einem Spiel das, was Spaß macht, anstatt sich an Statistiken und Fortschrittsmeldungen und leeren Flecken auf der Landkarte und im Questbuch zu orientieren? Oder liegt es doch nur am Alter und der Nostalgiebrille, dass Spiele damals irgendwie mehr Spaß gemacht haben :thinking:
      Hier könnte meine Signatur stehen!
    • Anhang meines Beispiels steige ich mit ein in diese interessante Diskussion: SUPER STAR WARS auf dem Snes:

      Ich habs übrigens Lets Played: youtube.com/playlist?list=PLxgm5GmKbDlzUkoytJpXzdrsVwkrfIPbE

      Damals als ich es bekam hatte ich kaum eine Ahnung - die einzige Erfahrung damals waren SBM 1 und 3 auf dem NES und SMW auf dem SNES - kein anderes Game hatte ich bis dahin gespielt kann ich geschätzt behaupten.
      Und dann kam ein furchtbar schweres Spiel daher in Englisch - und ich hab es bis Level 2 geschafft und kam dann nicht mehr weiter - wie hab ich doch dieses Spiel lieben und hassen gelernt dadurch. Ich kannte schließlich Level 1 in und auswendig, doch schaffte es nie weiter durch Level 2. Zu dumm? Ja. Sprachbarriere? Ja. Zu dumm? Ja.

      Und weiter? Ich gab das Spiel damals zurück. Je älter der SNES wurde, desto älter wurde auch ciht und desto leichter fiel mir es Spiele zu beenden. Einerseits wurde mein Skill besser, andererseits wurde ich gscheiter, und English konnte ich dann auch irgendwann. Meine Schwester und ich haben es dann sogar geschafft in SMW auf 100% zu schaffen, was damals ohne Internet oder Lösungshefte richtig gut war!

      Super Star Wars hab ich mir trotzdem nicht mehr geholt. Ich hab es als Mysterium abgetan, was wolh nach Level 2 exisiterte ... Bis ich es dann eben mal wieder für den Emulator ausgegraben habe.
      it's not easy when it's icy
    • Ach, so einen Kandidaten kann ich auch bieten: Spider-Man & Venom: Maximum Carnage für das Super Nintendo. Ich bin nie über die Hälfte des Spiels hinausgekommen und ich hab wirklich viel, viel Zeit damit verbracht :ugly: Aber das Spiel war nicht nur an sich schon richtig schwer, ich hatte natürlich auch keine Ahnung, wo man die ganzen verstecken Leben und Power-Ups findet – und ich wusste auch nicht, wie man die Power-Ups einsetzt :ugly: Viele frustrierte Stunden wurden damit verbracht, sich irgendwie durchzuprügeln, nur um festzustellen, dass man irgendwann von einem Boss-Kampf in den nächsten geworfen wird. Da war’s dann vorbei.

      Also ja, manche Spiele waren vielleicht nicht direkt magisch, sondern eher arschig.
      Hier könnte meine Signatur stehen!
    • Ein bisschen dümmer war man vermutlich: Ich weiß noch genau, wie ich über Monate in Zelda Ocarina of Time nicht weiter kam, einfach weil ich die Hinweise des Spiels, wo es den Enterhaken zu holen gibt, nachdem man Erwachsen wurde, nicht verstanden habe. Internet gab es bei uns noch nicht und im Freundeskreis hatte auch keiner das Spiel über diesen Punkt hinaus. :ugly: So brauchte es wirklich ein paar Monate bis ich den Titel weiter spielen konnte, indem ich per reinem Zufall die Lösung fand.

      Aber man war auch weniger abgeklär: Mittlerweile hat man so viel gesehen und so viel gespielt, dass die Magie dahinter verloren gegangen ist. Was war ich damals in Elder Scrolls Morrowind verknallt einfach weil ich noch nie so eine riesige offene Welt gesehen hatte in der es auch noch so viel zu tun gab. Da hat man dann auch vor Freude strahlend stundenlang 100 Kräuter für irgendeine Quest gesammelt, ohne es auch nur im Ansatz zu hinterfragen.
      Heute denkt man sich bei ähnlichen Aufgaben einfach nur noch: » da ist denen wohl nichts besseres eingefallen oder was soll diese Zeitschinder Quest?«. Auch die offene Welt hat viel Reiz verloren, da man derer auch schon zu viele gesehen hat. Aus der magischen mystischen Welt wurde in der Vorstellung ein simpler Themenpark, in dem man nach und nach die Attraktionen abklappert. :thinking: Das lässt sich auf jeden anderen Aspekt eines Spiels übertragen. Früher war ich auch viel Technik begeisterter und konnte mich an toller Grafik stundenlang ergötzen. Heute schimpfe ich bloß wenn es ruckelt, egal welches optische Niveau der Titel bietet. Einfach weil man irgendwie jeden Effekt und jede noch so runde Polygon-Fratze schon mal irgendwie gesehen hat.

      Aber vielleicht ist deswegen Zelda Breath of the Wild aktuell so gut bewertet und vielleicht macht es mir gerade auch deswegen so viel Spaß. Das neue Zelda hat es nämlich geschafft dieses kindliche Gefühl der magischen Welt hinter dem Spiel, ein Stück weit wiederzubeleben. Ich bin nicht sicher, ob es sich bloß um nostalgische Gefühle handelt aber zumindest das Open World Konzept fühlt sich hier viel schöner und wieder viel magischer an als in allen Spielen zuvor. Als hätten sie es neu erfunden, obwohl es ja eigentlich nicht neu ist.
      Obschon auch nur ein Stück weit, denn ich erwische mich manchmal wieder selbst bei der Analyse der Spielmechaniken und ob sie wirklich Spaß machen oder bloß Zeit tot schlagen. So ganz wird man diese Magie wohl nie wieder empfinden können… :confused: