No Man’s Sky – Jenseits von Hass und Hype

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  • Wenn es ein Hype-Spiel des Jahres 2016 gibt, dann ist es wohl zweifelsohne No Man’s Sky. Kaum ein anderes Spiel hat die Spielergemeinschaft so stark polarisiert, wie der Titel des kleinen Entwicklerstudio Hello Games. So geben sich auf Steam die Rezensionen entweder als Lobeshymnen oder Hasstiraden. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Ist das Spiel also wirklich absolut genial oder ein totaler Reinfall? Liegt die Wahrheit nicht vielleicht – wie so oft – irgendwo dazwischen? Dieser Frage möchte ich mal nachgehen, denn abseits von Hass oder Hype ist No Man’s Sky sicherlich ein Videospiel, dass auch nur mit Polygonen bzw. Voxeln kocht. :wink:

    Farbenfroher Weltraum und sanfte Klänge

    Schon beim ersten Starten des Titels wird klar: Realistische Optik ist hier nicht das Ziel gewesen und das ist auch ganz gut so. Mit einem Star Citizen hätte sich das kleine Team von Hello Games auch niemals messen können, sodass sie ihre Energie offenkundig lieber in einen schönen Stil, als in besonders ausgefeilte Technik steckten. Rein optisch finde ich das durchaus gelungen. Die farbenfrohe Gestaltung des Weltraums und der Planeten produziert eine schöne Atmosphäre der Fremdartigkeit, die die Stimmung, fernab der bekannten Erde unterwegs zu sein, sanft unterstreicht.

    Das Klangbild gibt sich demgegenüber eher zurückhaltend und orientiert sich teilweise an Science-Fiction Klassikern wie 2001: Odyssee im Weltraum, wenn auch nicht ganz so ikonisch. Leider wiederholen sich die Themen sehr schnell, insbesondere wenn sie auf bestimmte Orte, wie verlassene Gebäude, bezogen sind. Etwas mehr Varianz wäre hier durchaus schön gewesen, rein von der Machart her unterstützt das Klangbild die Reise aber gekonnt.

    Loser Faden aber dichte Atmosphäre

    Atmosphärisch spielt No Man’s Sky für mich damit seine Trümpfe aus. Wenn man sich drauf ein lassen kann nur ein winziges Staubkörnchen in diesem riesigen Kosmos zu sein, dessen Handlungen auch irgendwie null und nichtig sind, dann bietet einem der Titel wahrlich eine tolle gedankliche Projektionsfläche. Wer eher der Held sein will, der die Welt rettet und anschließend im Mittelpunkt steht, der findet in No Man’s Sky, … nun eben gar nichts. Es ist ein Spiel für einsame Wanderer, die irgendwo in einem großen unbekannten Universum eigene Wege entdecken wollen und sich auch darauf einlassen können, kein konkretes Ziel vor Augen zu haben.

    Eine Story bietet das Spiel im eigentlichen Sinne nämlich auch nicht. Zwar gibt es mit dem Atlas-Pfad eine lose Questreihe, die einem das mysteriösen Atlas-Wesen und das Zentrum der Galaxie näher bringen kann, doch darüber hinaus bestimmt man einzig und allein selbst was man tut. Will ich einen Planeten ausgiebig erkunden und auch mal die Höhlensysteme erforschen oder fliege ich doch lieber von einer Welt zur nächsten? Das muss man ganz allein entscheiden. Lohnen tut sich im gewissen Rahmen beides, je nach Geschmack.

    Viel zu machen aber wenig zu tun?

    Die Himmelskörper sind jeder für sich einzigartig, sodass man eigentlich immer wieder etwas Neues zu entdecken hat. Es wurde im Netz oft bemängelt, die Planeten würden zu einem gewissen Grad immer ähnlich aussehen, aber das lasse ich nur zum Teil gelten. Die meisten haben die grundlegende Spielmechanik der unterschiedlichen Sternarten vermutlich nicht verstanden oder gar nicht erst entdeckt. Denn je nach Art der Sonne im Zentrum, gibt es auch unterschiedliche Planetoiden zu bestaunen. Umkreisen gelbe Sterne – und nur die bekommt man anfangs zu sehen – eher unspektakuläre, weil erdähnliche Himmelskörper, bekommt man bei blauen, roten und lila Sternen ganz andere, teils abgefahrene Welten zu Gesicht. Wer gern auf extrem fremdartigen Welten wandelt und merkwürdige Pflanzen und Tiere bestaunen mag, hat im Spiel wirklich viel zu entdecken.

    Zu tun gibt es auf diesen verschiedenen Welten aber wieder vergleichsweise wenig. Die Grundlegende Spielmechanik von No Man’s Sky ist abseits des Erkundens und Sammelns von Ressourcen auf die Verbesserung des Exo-Anzugs, des Multi-Tools (eine Art Waffe und Bergbaulaser) und des Raumschiffs ausgelegt. Dazu benötigt man Technologien, die man in den Stationen findet, die überall auf Planeten verstreut umher liegen. Gelegentlich geben einem wohlwollende Außerirdische auch neue Baupläne.
    Damit das effektiv funktioniert, kann man die Sprachen der Fremden lernen, indem man Ruinen oder Monolithen findet. Diese bringen einem auf geisterhafte Weise den Wortschatz näher. Ein höherer Wortschatz wiederum, führt zu mehr Verständnis bei dem was die Aliens so plappern, womit die Wahrscheinlichkeit steigt ihnen in den Dialogen helfen zu können. Denn nur wer ihnen die richtige Antwort serviert oder das Richtige tut, wird auch mit neuer Technologie, Bauplänen oder sonstiger Geräteschaft belohnt. Alle anderen erwartet Verachtung oder gar Bestrafung.

    Diese Gerätschaften und Upgrades baut man sich jeweils ein, wobei die Zahl der Slots, die dafür zur Verfügung stehen, begrenzt ist. Sie können aber vermehrt werden, was die zweite progressive Mechanik im Spiel darstellt. Findet man für den Anzug die Möglichkeit die Slots einzeln zu kaufen oder auch direkt kostenlos zu finden, ist die Mechanik beim Multi-Tool und Schiff etwas umständlicher: Dort muss das Gerät nämlich komplett ausgetauscht werden, wodurch für den Platzgewinn alle bereits installierten Technologien geopfert werden müssen. Ebenso wie dass Aussehen.
    Das ist teilweise sehr schmerzlich, müssen die Ressourcen dafür teilweise recht zeitintensiv und monoton abgebaut oder teuer gekauft werden. Somit kommt man in die Situation, dass man wirklich wertvolle Technologien lieber erst einbaut, wenn man die maximale Zahl an Slots erreicht hat. Beim Multi-Tool ist das mit 24 Slots schon recht langwierig. Ein Schiff mit 48 Slots dauert jedoch schon eine kleine Ewigkeit. Zumal man sein liebgewordenen Raumflitzer dann auch wieder hergeben muss und die Technologien im Schiff zu den teuersten gehören. Hier ist das System für den Spielfortschritt aus meiner Sicht nicht gut gelungen. Zumindest optional hätte es die Möglichkeit geben sollen, sein Raumschiff und das Multi-Tool Slot für Slot aufzurüsten, statt es ständig tauschen zu müssen.

    Überlebenskampf für Anfänger

    Der Schwierigkeitsgrad des Titels ist für meinen Geschmack viel zu leicht geraten. Hatte ich im Vorfeld zu meiner diebischen Freude noch von Berichten der Journalisten gelesen, dass sie öfter mal ins Gras bzw. je nach Planet grasähnliche Flora gebissen haben, stellt sich mir nun die Frage: Wie haben die das gemacht?
    Selbst auf meinem Startplaneten, der eisige Temperaturen aufwies und entsprechend die Energieversorgung meiner Lebenserhaltung stetig auf die Probe stellte, fand ich Ressourcen ohne Ende um diese zu versorgen. Es mangelte nie an irgendetwas, da alle paar Meter die nötigen Stoffe in Kristallen einfach herumliegen. Hier in einen Engpass zu geraten kann ich mir einfach nicht vorstellen.

    Auch die mystischen Wächter, die jeden Planeten mit unterschiedlicher Intensität vor Raubbau beschützen und dem ressourcensammelnden Spieler entsprechend entgegenstellt sind, sind allenfalls zu Beginn wirklich eine Bedrohung. Den kleinen Drohnen mangelt es an Feuerkraft und an Intelligenz um wirklich gute Beschützer zu sein. Ein paar Meter weggelaufen und schon ist wieder alles in Butter oder man holt sie mit einer Salve einfach vom Himmel, wodurch sie das Problem auch direkt erledigt. Selbst auf Planeten, die den höchsten Schutzgrad genießen, sind die kleinen Maschinenwesen nicht wirklich ernst zu nehmen.

    No Man’s Sky: Nur Hass oder Hype? Nein, genau dazwischen!

    Was bleibt also von dem Spiel das scheinbar nur abgöttisch geliebt oder abgrundtief gehasst werden kann? Eigentlich keines von beidem. Das Spiel positioniert sich für mich genau in der Mitte dieser beiden extremen Pole, nämlich in der Mittelmäßigkeit. Wer sich wie ich drauf einlassen kann, findet sicherlich ein paar Stunden wunderbare sehr atmosphärische und abwechslungsreiche explorative Unterhaltung. Doch es bleibt Potenzial auf der Strecke: Der Schwierigkeitsgrad ist ein Witz, die Mechanik zum Spielfortschritt teilweise merkwürdig und Spielablauf wird zunehmend etwas eintönig, wenn man sich nicht eigene Ziele zu setzen weiß.

    Mir hat es trotzdem viele Stunden Spaß gemacht und ich werde es bestimmt auch wieder mal spielen. Interessant wird es zu sehen sein, was Hello Games noch daraus macht. Sie haben jedenfalls einen gigantischen Spielplatz geschaffen, der reichlich ungenutztes Potenzial hat. Mit Updates oder wenn es sein muss auch mit DLCs ließe sich da bestimmt noch einiges an Unterhaltungswert herausholen. Bis dahin bleibt No Man’s Sky gehobenes Mittelmaß, dass allenfalls durch sein gigantisches generiertes Universum überdurchschnittlich zu beeindrucken weiß.

    Weitere optische Eindrücke:

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