Clash of Clans Langzeittest – Wirklich kostenloses Spielvergnügen?

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Clash of Clans von Supercell ist wohl einer der bekanntesten Vertreter der aktuellen Mobile Strategy Games Generation und hat bisweilen Standards im Genre gesetzt. Doch ist Clash of Clans wirklich umsonst oder wird man früher oder später zur Ausgabe von Unsummen genötigt, wie bei vielen seiner Vettern?

    Seit dem es der gratis Titel, nach großen Erfolgen in Apples Appstore, im Oktober 2013 auch auf Android-Geräte geschafft hat, bin ich ebenfalls mit einem Clan in der namenlosen Fantasywelt unterwegs. Mehr oder weniger ohne große Unterbrechungen, bin ich also schon seit knapp zwei Jahren dabei und zwar ohne auch nur einen einzigen Cent in das Spiel gesteckt zu haben. Ob das auch noch Spaß macht und wie das überhaupt geht, dazu später mehr. Zuerst etwas allgemeines zu Clash of Clans:

    Geduld als wichtigste Fähigkeit des Spielers

    Die meisten Strategie Mobile Games sind in irgendeiner Art und Weise den Browser oder Facebook Games der früheren Tage nachempfunden und haben eines gemeinsam: Der Spielverlauf ist relativ repetitiv, der Interaktionsgrad trotzdem recht gering und alles dauert sehr lange. Clash of Clans ist hier keine wirkliche Ausnahme. Das Bauen, Sammeln bzw. Ansparen von Ressourcen und das Ausbilden von Truppen, alles dauert und dauert… und dauert. Typischerweise steigt dabei die Dauer mit dem Fortschritt der eigenen Basis. Aus Stunden werden Tage, aus Tagen letztlich sogar Wochen.

    Was übertrieben erscheinen mag macht deutlich was für eine Zielgruppe Clash of Clans hat: Es geht weder um Geschicklichkeit oder oder strategisches Geschick, sondern um einen plumpen Zeitvertreib und vielleicht um Geduld. Clash of Clans ist ein Gelegenheitsspiel, dass man aber auch intensiv spielen kann (und nach Willen der Entwickler auch soll). Zeit und Geld intensiv versteht sich. Denn wer den Fehler macht, den Titel nicht als Gelegenheitsspiel anzusehen oder entsprechend geduldig ist, der löhnt schnell hunderte von Euro und hängt Stunden am Handy oder Tablet. Das Geld sickert dahin, weil man den Bau von Gebäuden beschleunigt und die Zeit verbringt man damit andere Mitspieler zu überfallen, um die nötigen Ressourcen dafür heran zu schaffen. Wer noch mehr Geld rein stecken will, kann aber auch die Ressourcen kaufen, womit sich dann fast jedes Spielziel eigentlich erledigt hat.

    (Aufbau-)Strategie mit dem Zeigefinger

    Naja, fast zumindest. Das eigentliche Hauptziel ist es nämlich Pokale zu sammeln, die einem einen Platz auf den Siegertreppchen der jeweiligen Ligen verschaffen. Man baut also eine gute Basis, um eine bessere Verteidigung zu haben und neue Truppentypen zu erforschen, die einem wiederum stärkere Gegner plätten und somit mehr Pokale sammeln lassen.

    Das Plätten von Gegnern funktioniert dabei allerdings auch etwas anders als man es als Echtzeitstratege eines Command & Conquer oder Star Craft gewohnt ist. Die Einheiten lassen sich nämlich nicht direkt steuern. Sie werden lediglich am Kartenrand abgesetzt und agieren dann komplett auf eigenen Faust. Es gilt die richtige Stelle auszuwählen und auch die Eigenarten der Truppentypen zu kennen: Während die einfachen Barbaren schlicht auf alles los stürmen was gerade in der Nähe ist, greifen Riesen vorrangig Verteidigungsanlagen an. Es kommt so durchaus zu einem strategischen Moment im Spiel und etwas Geschick und Hirnschmalz ist dann doch gefragt. Und es macht sogar Spaß. Wenn man die Festung seines Gegners knackt, die eigentlich recht gut aufgebaut ist, dann kann das durchaus diebische Freude bereiten. Diebisch ist hier im Wortsinn gemeint, denn nicht nur Pokale wandern dabei in den eigenen Bestand, sondern auch ein Teil der gelagerten Ressourcen des Gegners.

    Ist es nun kostenlos oder nicht?

    Diese Mechanik des Rohstoffdiebstahls wird dadurch zur Quelle der Freude und der Frustration zugleich. Denn man kann den Gegner nicht nur bestehlen, sondern eben auch selbst beklaut werden. Zwar bekommt man eine Art Schonfrist nach einem erfolgten Überfall, der je nach schwere einem bis zu 16 Stunden die Gegner vom Leibe hält, aber der reicht nach einiger Zeit einfach nicht mehr aus. Die Gebäude bzw. deren Aufrüstung werden nämlich stetig teurer, doch die Rohstoffproduzenten sind irgendwann an ihrem Maximum angelangt. So übersteigt irgendwann die mögliche Beute der Gegner die Produktion von Rohstoffen innerhalb von 16 Stunden, da immer etwa 25% der eingelagerten Rohstoffe als Beute zur Verfügung stehen. Ist dieser Punkt nach vielen Wochen Spielzeit erreicht, geht es ohne Geld nicht mehr weiter. Oder etwa doch?

    Ja, es geht. Allerdings wird es mühseliger. Zuerst muss man nämlich regelmäßiger seine Produzenten »ernten«, also die geschaffenen Rohstoffe aus den Lagern der Goldminen und Co. herausholen und in die zentrale Lagerstätte bringen. Das passiert nur über einen Fingerzeig auf das entsprechende Gebäude und nicht von allein. Dies soll wohl der Motivation dienen das Spiel möglichst oft aufzurufen. Sind die Rohstoffe nämlich im Lager der Produzenten, können bis zu 50% davon geklaut werden und damit deutlich mehr als in den zentralen Lagern. Dies gilt es auch beim Aufbau der Basis zu berücksichtigen.

    Ein weiterer Trick besteht darin, den Pokalen keine Bedeutung mehr beizumessen und sein eigentlich so wichtiges Rathaus den Angriffen preis zu geben. Fällt das Rathaus, verliert man die Verteidigung und bekommt einen Schild. Egal, ob dabei auch Ressourcen gestohlen wurden oder nicht. Entsprechend hat es sich bei vielen als Usus durchgesetzt das Rathaus irgendwo abseits zu platzieren, wo es jeder selbst mit schwachen Truppen zerstören kann und die Verteidigung nur auf die Ressourcenlager zu richten. Auf diese Weise bekommt man einen Zwölfstundenschild oft ohne nennenswerten Ressourcenverlust, da viele Gegner nur auf die Pokale aus sind. Wenngleich nicht alle, weswegen es hin und wieder doch zu schmerzhaften Diebstählen kommt.

    Letztlich braucht man doch hin und wieder die teure Geldwährung »Juwelen«, um besonders teure Bauprojekte durch Ressourcenkauf zu ermöglichen. Alternativ kann man sich den Schild, der Angreifer von der Basis fern hält, ebenfalls kaufen. Er wird für 1, 2 oder sogar 7 Tagen Laufzeit angeboten, zu entsprechenden Konditionen und mit einer Art Abklingzeit, da er dann eine Weile nicht mehr erworben werden kann. Trotzdem zeigt sich hier Entwickler Supercell eine Ecke fairer als etwaige Konkurrenz. Denn nicht nur der Schild ermöglicht geduldigen Spielern hier ein Fortkommen trotz Geldnot, sondern auch die Juwelen gibt es nicht exklusiv für echtes Geld. Auf den freien Plätzen des eigenen Dorfs wächst nämlich gelegentlich »Unkraut« heran, das jeder Spieler von Clash of Clans schätzen lernt. Unter den Bäumen, Steinen und Büschen, die da so sprießen, verbergen sich Juwelen, die von den eigenen Bauarbeitern bei der Entfernung gefunden werden können. Davon sind zwar meist nie mehr als eine Handvoll enthalten, aber mit der Zeit kann man sich damit einiges an Juwelen aneignen, die sonst bares Geld kosten.

    Fazit: Kostenlos ja, aber… ?

    Geht man geduldig und taktisch klug vor, kann man Clash of Clans also wirklich komplett gratis spielen. Allerdings wird der Weg an die Spitze immer länger und länger, sodass es letztlich darauf hinausläuft, dass das eigene Aufrüsten der Basis über die kostenlose Methode länger dauert, als Aktualisierungen erscheinen, die neue Stufen, Truppen und Gebäude ins Spiel bringen. Man surft also nie auf der wirklich großen Welle mit, sondern immer ein Stück dahinter. Wer wirklich ganz vorn mit dabei sein will und mal Deutschland- oder Weltbester Clash of Clans Spieler werden mag, der muss wohl oder Übel viel Geld in die Hand nehmen. Hier sehe ich keine Möglichkeit mit Geduld an die Spitze zu kommen. :thinking:

    Doch will man das letztlich überhaupt: Ja, die Angriffe machen Spaß, wenn man starke Gegner knackt. Ja, auch die Verteidigungen können Spaß machen, wenn man starke Armeen an den eigenen Mauern und in den eigenen Fallen zerschellen sieht. Aber letztlich steigt die Qualität der Angriffe und der Verteidigungen mit Fortschreiten der eigenen Basis nicht wirklich. Auch Abwechslung bekommt man bei den Angriffen wenig, da nur wenige der zahllosen Truppentypen wirklich nützlich sind. Somit ist die eigenen Armee meist eher von Ein- statt Vielfalt geprägt.

    Clash of Clans ist somit ein nettes Gelegenheitsspiel um ein paar Minuten Wartezeit an der Bushaltestelle zu überbrücken und gleichzeitig langfristig seine Basis wachsen zu sehen. Doch etwas Eintönigkeit lässt sich am Gameplay nicht leugnen und die Aussicht niemals ganz vorn bei »den Großen« mitspielen zu können, kann etwas demotivieren. Trotzdem bin ich noch dabei, wobei mittlerweile auch die schlichte Gewohnheit ein großer Motivator ist. Wann immer ich einige Minuten nutzlos herumsitze wird das Smartphone gezückt und die eigene Basis gepflegt, ein Angriff gefahren oder eine erfolgreiche/erfolglose Verteidigung in der Wiederholung analysiert. Letztlich hat es sogar etwas von einem Tamagotchi: Wenn man schon so weit ist und das eigene Dorf so hoch gezüchtet hat, will man es dann auch nicht mehr sterben lassen. :ugly:

    Absehbar ist ein Ende meiner Clash of Clans Karriere vermutlich trotz des kostenlosen Spielprinzips. Irgendwann geht auch der letzte Spaß verloren und die Gewohnheit ist dann nicht mehr ausreichend… bis dahin hatte ich aber einige spaßige Momente und viele Minuten Wartezeiten tot geschlagen. Wer also derartigen Gelegenheitsspielen nicht gänzlich abgeneigt ist und kein Geld ausgeben will, ist bei Clash of Clans nicht ganz falsch. Wer noch ein paar optische Impressionen sucht, sei an mein Clash of Clans Album verwiesen.

    1.368 mal gelesen

Kommentare 2

  • Nexan -

    Ja, Clash of Clans ist bei mir auch die einzige Ausnahme, die mich länger fesseln konnte, wobei es hauptsächlich die Gewohnheit ist, die mich jetzt noch bei der Stange hält.
    Echter Spaß ist selten geworden, wobei ich ab und zu noch immer bei einem gewonnenen Angriff schmunzeln muss.

    Richtig warm werde ich mit dieser Spielegeneration aber auch nicht und kann absolut nicht verstehen, wie manche (Kinder) da hunderte Euro ausgeben für ein derart mittelmäßiges Spiel… :huh:

  • Chuck1892 -

    Schöner Text!

    Ich habe schon sooo oft 'solche' Mobile Games probiert. Es ist einfach nicht mein Fall. Generell finde an kaum einen mobilen Spiel so richtig Gefallen.