Allods Online – russisches free to play World of Warcraft?

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  • »Sarnaut«, die antike Welt zerbrach vor langer langer Zeit in viele kleine Bruchstücke, die fortan auf unbekannten Wegen durch den Astralraum – eine Art mystischer und magischer Weltraum – kreisen. »Allods« werden diese kleinen Eilande genannt, die die letzten Zufluchtsstätten der Zivilisation bilden. Jahrhunderte lang lebten nur kleine Stämme und Völker in Isolation auf den Inseln, die entweder von einem Meteoritkristall oder einem sog. archaischen Magier davor bewahrt wurden auseinander zu brechen. Doch dann entdeckte ein kleiner fauler Gibberling Fischer durch Zufall eine Möglichkeit den Astralraum zu bereisen.

    Mit Schiffen, die ebenfalls nun den Kristall der Meteoriten nutzen, segeln seither die Völker zwischen den Bruchstücken des einstigen Planeten hin und her. Handel kam auf, neue Gesellschaften formten sich und nun in der heutigen Zeit haben sich zwei mächtige Reiche gebildet: Die Liga und das Imperium, die grundsätzlich andere Philosophien verfolgen und sich abgrundtief hassen. Das ist in etwa die Welt von »Allods Online«, deren Grundelemente schon auf alte Titel der »Rage of Mages« Reihe zurück gehen oder auch in »Evil Islands« schon zu bestaunen waren. Doch was ist es, dass das kleine russische Online Rollenspiel so interessant macht? Warum ist es das einzige MMORPG, dass mich länger als ein paar Wochen fesseln konnte? Diese und andere Fragen werde ich hier mal versuchen zu beantworten. :slight_smile:

    Alles nur geklaut?

    Hat man sich das Spiel erst einmal auf die Platte geladen und gestartet, fällt einem optisch sofort die Nähe zum Genreprimus World of Warcraft auf. Interface, Grafikstil und auch das Gameplay orientieren sich unbestreitbar an der großen amerikanischen Vorlage. Doch auf den zweiten Blick sieht man kleine aber feine Unterschiede: Die Grafik ist etwas detaillierter, die Möglichkeiten die Fähigkeiten der Charaktere bzw. Klassen zu verteilen etwas vielfältiger und die Konzeption der Welt ist dank der einzelnen Allods ein Hauch abwechslungsreicher. Trotzdem bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass Allods Online ein klassisches und sehr konservatives MMORPG ist, weswegen ich auch eine umfangreiche Beschreibung des Gameplays hier unnötig finde. Jeder der mal ein Online-Rollenspiel der alten Schule gespielt hat, wird sich sofort zurecht finden und weiß auch direkt um die Schwächen und Stärken eines solchen Systems. Hier finde ich also wohl nicht die Antwort, warum mich dieses Spiel immer mal wieder vor den Rechner lockt. Doch wo dann?

    Es war einmal…

    Vielleicht ist die Story hier ja der Knackpunkt, schließlich bin ich in der Hinsicht wahrlich ein Fanatiker. Das Grundkonzept mit Astralraum, kleinen Inseln die dahin umher fliegen und Schiffen, die einen die Reisen dadurch ermöglichen, bietet ein interessanten Ansatz für eine Geschichte, die mal nicht nach Schema X – Kampf gegen gut und Böse – abläuft. Tatsächlich ist die Geschichte, die das Spiel um einen herum entspinnt vor allem im späteren Verlauf mit einigen Wendungen gespickt, doch zu Beginn findet man auch hier eher Standardkost: Finstere Dämonen des Astrals bedrohen alles Leben auf den Allods und werden stetig mächtiger. Die Frage ist daher erst mal warum das so ist und was die Tunichtgute motiviert. Dazu gesellt sich dann noch ein fraktionsspezifischer Plot, der im Grunde darauf hinausläuft die Feinde der Liga oder eben des Imperiums zu schwächen oder gar zu vernichten, was anfangs noch klassisches metzeln von NPCs beinhaltet, später aber auch in diverse Spieler gegen Spieler (PvP) Aktionen mündet. Letztlich kommen noch die »Sammel dies, töte jenes« Nebenquests oben drauf und fertig ist die Handlung während der Levelphase. Das ist auch alles nicht schlecht und gerade die Hauptquests um diverse Mysterien sind durchaus geistreich und lebendig ausgeschrieben, nur bekommen viele Spieler davon gar nichts mit. Denn die Präsentation der Handlungsfragmente ist schlicht und ebenfalls wieder klassisch: Textwände, die einem in Quest-Hubs (ein Ort wo viele Questgeber herumstehen) serviert werden, bilden das Trägermedium für die Story. Vertonte Dialoge oder Sequenzen eines »Star Wars: The Old Republic« (SWTOR) findet man nicht. »Gehobene Standardkost« Ist daher hier die angemessene Wortwahl. Die Geschichte, Quests und die Handlung fallen also wohl als Magnet für mich aus. Warum bloß hänge ich immer noch in diesem Spiel?

    Ich hau dir eine rein!

    Vielleicht sind es ja die PvP-Gefechte, die mir viel Freude bereiten? In der Tat macht es durchaus gut Laune in geordneten Gefechten ins Feld zu ziehen und wahlweise in einer Arena um Schatztruhen zu kämpfen oder auf einer Allods namens »Hexenkessel« Stützpunkte zu erobern. Ist man Mitglied einer Gilde, ist es zusätzlich auch möglich viele Schlachten auf einer strategischen Karte anzugehen um sich den Astralraum zu erobern, was der ganzen Gilde Vorteile verschafft. Hier kommt zudem ein wenig Politik ins Spiel, da es mitunter gar fraktionsübergreifende Bündnisse gibt und dementsprechend auch gern mal böses Blut und Rachefeldzüge. Ja, hier fängt Allods Online meiner Meinung nach wirklich an zu glänzen, zumal das noch nicht alles war: Auch in der offenen Welt kann die Begegnung mit der anderen Fraktion einen dicken Adrenalinschub bedeuteten, wobei das nicht nur für Kämpfe auf festem Land gilt, sondern auch Schlachten mit Schiffen im Astralraum umfasst. Mit gut organisierten Mannschaften kann sich der geneigte Kapitän, sowohl in speziellen Sektoren um fette Beute prügeln, als auch gänzlich anarchisch der Piraterie nachgehen und anderen Spielern empfindliche Verluste auf ihren Handelsrouten beibringen.
    Doch wo der erheiternde Sieg lauert, ist die frustrierende Niederlage eben auch nicht weit entfernt. Gerade weil man sich im Cash-Shop des Free to Play Titels diverse Vorteile erstehen kann, ist man schnell dabei das eigene Versagen auf eben jene Vorteile zu schieben und das Spiel als »Pay to Win« zu verteufeln.
    Dennoch ist es hier bei meiner Suche heiß geworden: PvP mit all seinen mannigfaltigen Möglichkeiten ist definitiv eine große Stärke des Titels und zumindest ein erster Ansatz zu erklären, warum ich immer noch am dabei bin. Doch müsste mich das »Pay to Win« Zeug nicht abschrecken? Warum tut es das nicht?

    Zu viel Geld oder was?!

    Reichtum wäre natürlich eine Erklärung warum mich das nicht stört. Vielleicht habe ich mir ja einfach alle dicken Boni zusammengekauft? Doch angesichts der Tatsache, dass ich Student bin erscheint dies wohl mehr als unrealistisch und grob zusammengerechnet habe ich wirklich nicht mehr als in üblichen Abo-Titeln pro Monat im Spiel versenkt. Warum erscheint es mir trotzdem nicht als ungerecht? Es gibt tatsächlich viele die viel viel mehr in das Spiel »investieren« und hunderte oder sogar tausende Euro locker machen. Auch die kaufbaren Vorteile lesen sich erst mal erschreckend: Es gibt eine Runensystem, mit dem man seine Heilung und seinen Schaden massiv steigern kann und erhaltenen Schaden reduziert. Um diese Runen zu bauen braucht man Zutaten, die es nur im Cash-Shop gibt und auch noch sehr teuer sind. Wer die maximale Runenstufe 13 erreichen will muss daher mehrere tausend (!) Euro aufbringen und erhält dann einen Bonus von 130% auf den eigenen Schaden/Heilung. Unfassbare Frechheit oder? Warum lasse ich mir das gefallen, wo ich da als armer Student eh nicht mithalten kann. Außerdem kommen ja noch die ganzen Komfortdinge dazu, wie Reittiere, größere Tasche und sonstige Spielereien, die einem Zeit oder Nerven sparen. Auch die gibt es nur im Shop des Spiels zu erwerben. Warum kehre ich dem Spiel also nicht frustriert dem Rücken oder stecke hunderte Euro rein?

    Die Erklärung ist eigentlich einfach, denn viele, die Allods Online schlicht als Pay to Win Mist verteufeln, vergessen zwei Dinge. Erstens wirken sich die Vorteile deutlich geringer aus als sie sich anfangs lesen: Die Runen verstärken einen schon recht stark, doch die erspielbare Ausrüstung ist viel entscheidender. Die dicksten Runen helfen nichts wenn man in Lumpen herum rennt. Hinzu tritt, dass diverse Spielmechaniken dafür sorgen, dass z.B. von der eigenen Heilung bzw. vom Schaden viel wieder abgetragen wird, weshalb effektiv keine 130% sind die man sich verstärkt, das ist eher als der maximale Wert zuverstehen. Auch darf nicht vergessen werden, dass es gerade wegen der hohen Kosten kaum Spieler gibt, die solche Runen besitzen.
    Zweitens und das ist noch viel wichtiger: Es gibt im Spiel eine Möglichkeit Währung zu tauschen. Man kann also die Spielwährung Gold, Silber und Kupfer in die Währung eintauschen, die man sonst nur für harte Euro bekäme. Ergo steht auch Spielern, die nie einen einzigen Geldschein in die Hand nehmen der gesamte Shop des Spiels offen. Zwar schwankt der Wechselkurs hin und wieder, doch es ist durchaus realistisch zu sagen, dass Runenstufe 8 oder 9 durchaus komplett ohne Geld zu erreichen ist. Damit sinkt der Abstand zu maximalen Stufe deutlich und der Vorteil von reichen Spielern schwindet. Wer dann noch ein wenig geübter im Spiel ist und eventuell etwas bessere Ausrüstung hat, geht häufig als Sieger aus einem Zusammentreffen mit einem solch stark ausgerüsteten Spieler hervor. Letztlich kann man sich so auch die vielen kleinen Komfortdinge erspielen und so am kompletten Inhalt des Spiel teilhaben ohne Geld rein zustecken. In Allods Online steckt also viel mehr Free to Play als in vielen anderen Spielen des Genres.
    Allerdings ist das natürlich dennoch kein Umstand, der mich ans Spiel bindet. Klar ist es angenehm, dass die hart und über Jahre zusammengetragenen Runen einem auch nach langer Zeit der Inaktivität noch einen Vorteil gegenüber Neulingen verschaffen, doch komplett ohne solche Features wäre es natürlich noch besser. Nichts desto weniger hält mich das auch nicht vom Spielen ab und ungerecht benachteiligt fühle ich mich seit Einführung der Währungsumtauschoption auch nicht mehr. :slight_smile: Bleibt also nur PvP als das Killerfeature, dass mich an das Spiel fesselt oder kommt da noch was?

    Was ist mit Menschen?

    Genau, was ist denn mit den Spielern hinter den Charakteren. Gerade in Online-Rollenspielen einer, wenn nicht DER entscheidende Faktor für den Erfolg oder Misserfolg des Spiels. Sind es also die Fleischsäcke hinter den Bildschirmen und nicht die ganzen tollen programmierten Features, die mich so in ihren Bann ziehen? In Wirklichkeit ist die Allods Community total reif, es wird nie jemand beleidigt, immer auf akademischen Niveau diskutiert und »Bitte, Danke« gehören zum festen Wortschatz der Zocker. Wie, das klingt nicht sonderlich glaubwürdig? Okay, so ist es natürlich auch hier nicht. Wie in jedem Spiel wird sich mal verbal in die Haare bekommen, Leute posaunen wilde Beleidigungen umher und verspotten unwissende Neulinge. Trotzdem empfinde ich die Community insgesamt als deutlich herzlicher im direkten Vergleich zu einem SWTOR oder Guild Wars 2. Das hat meiner Meinung nach den simplen Grund, dass die Gemeinschaft an aktiven Spielern deutlich kleiner und übersichtlicher ist. Jeder kennt irgendwie jeden und negative Pappenheimer sind so halt schnell jedem bekannt. Zudem wird auch häufiger kommuniziert: Als Neuling bekommt man selbst wenn man keinen kennt, Antworten von vielen hilfsbereiten Menschen bei Fragen im Chat. Der Endcontent muss aufgrund seines Schwierigkeitsgrade nahezu eh ausnahmslos mit TeamSpeak bewältigt werden, weswegen auch über die Gilden hinweg viele Bekannt- und Freundschaften entstehen. Letztlich gehören sogar auch Lästereien dazu, wenn man sich insgeheim mit seinem Stammkreis über andere schlechte Spieler belustigt oder über Leute spöttelt, die häufig Unsummen im Spiel versenken und trotzdem nur im Mittelfeld spielen. :smiling_imp:
    Die Community von Allods Online ist also viel viel kleiner und übersichtlicher als in anderen Vertretern des Genres. Gerade dadurch, ist sie aber – wage ich zu behaupten – auch deutlich eingeschworener und aktiver. Man hat eher das Gefühl man bewegt sich in einem virtuellen Dorf, Klatsch,Tratsch und Zank auf dem Marktplatz inklusive. Spieler, welche gern mal in der Anonymität vieler Spieler untertauchen wollen, haben es also in Allods vergleichsweise schwer, doch wer hingegen gern lieber in einer engen Gemeinschaft vieler Individuen unterwegs ist, wird Allods lieben. Vielleicht ist dies auch der Grund warum mir bisher in keinem anderen Spiel mehr weibliche Mitspieler begegnet sind als in Allods. :wink:

    Also nicht Bits und Bytes?

    Ist das also die Antwort? Nicht die Features, sondern Menschen binden mich ans Spiel? In gewisser ist dies richtig. Die Community ist der Hauptgrund für mich immer mal wieder ins Spiel reinzuschauen, doch auch das Zusammenspiel der vielen Möglichkeiten des Spiels und teils anarchische PvP bereitet mir diebische Freude. Allods ist ein Nischenspiel mit teils harten Ecken und Kanten, keine Frage, obgleich diese Komposition irgendwie auch den Reiz ausmacht. Etwas chaotisch, nicht so fein geschliffen und mit vielen merkwürdigen Eigenheiten versehen ist sowohl das russische Spiel als auch die Community drum herum, weshalb man den Titel, entweder wohl einfach liebt oder verdammt. Daher muss man sich wohl auch selbst ein Bild machen und sollte sich nicht auf die Aussagen anderer verlassen, wenn man mit dem Gedanken spielt in Allods einzutauchen. Meine größten Kritikpunkte beschränken sich jedenfalls auf die oft teure Preispolitik von gPotato im Shop, das relativ klassische innovationslose Grundgameplay und die vielen kleinen Bugs, die sich auch heute noch im Client tummeln. Davon abgesehen hat man einen erstaunlich starken, wie eher unbekannten Free to Play Titel, der sicherlich quantitativ niemals in die Ligen der dicken Brummer im Genre aufsteigen wird, doch qualitativ durchaus den Geschmack des ein oder anderen Zockers genau trifft.

    Ich kann daher auch kaum an einem einzigen Punkt ausmachen woran es liegt, dass dieses Spiel geschafft hat was bisher kein anderes Online-Rollenspiel schaffte, nämlich mich selbst nach Jahren noch immer mal wieder hinter dem Offen vor zu locken, wobei ich zugeben muss, dass mitunter auch viele Wochen Inaktivität im Spiel bei mir dazugehören. Denn wie alle MMORPGs ist auch Allods ein ziemlicher Zeitfresser, zumindest wenn man ganz vorne dabei sein will und dies wird mir wohl deshalb auch nicht mehr gelingen. Doch im oberen Mittelfeld kann man ebenfalls viel Spaß haben. :slight_smile: Ich empfehle daher jedem, der auf soziale Aspekte des Spielens viel Wert legt, gern mal PvP betreibt und dem klassischen Konzept eines MMORPGs nicht abgeneigt ist, mal in Allods Online reinzuschauen. Wer mir dabei noch einen Gefallen tun will, nutzt diesen gesponserten Link dafür, damit ich mir neue tolle Sachen im Spiel kaufen kann und ihr ein Startgeschenkt erhaltet :
    Natürlich könnt ihr mich (Nexan) auch jeder Zeit im Spiel anschreiben oder eurer Freundesliste hinzufügen. Ich freue mich immer über neue Mitstreiter. :stuck_out_tongue: Nun denn, ich hoffe ich konnte euch mal einen kurzen Eindruck verschaffen, was mir an dem Spiel gefällt. Über Kritik, Bewertungen und Kommentare zu der Rezension würde ich mich natürlich auch sehr freuen. :grin:

    2.539 mal gelesen

Kommentare 2

  • Nexan -

    Möglich wäre es, allerdings bin ich aktuell wieder eher inaktiv. :frowning2:

  • Chuck1892 -

    Schweinerei das ich jetzt erst die Rezension lese! Das Spiel sieht echt interessant aus - Das werde ich mir auf jedenfall mal anschauen! Vielleicht trifft man sich iG? :grin: