Star Wars: The Old Republic – Der dunklen Seite verfallen…

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  • Ein gigantisches Online-Rollenspiel im Star Wars Universum mit Millionen Spielern, ein World of Warcraft Killer, das nächste große Ding des Genres. Vieles wurde dem ersten MMO (Massive Multiplayer Online Game) aus der einstigen Edelschmiede BioWare prophezeit. Geworden ist daraus bekanntlich nicht viel, doch woran lag dies eigentlich? Was hat Bioware richtig gemacht und was nicht? Der Fundamentalkritik, dass aus dem einstigen Qualitätsgaranten BioWare nach der von EA verordneten Umstrukturierung nur ein Ramschlabel wurde, soll hier mal kein Platz eingeräumt werden. Im Zentrum steht das Spiel und seine Vor- und Nachteile. Warum ist aus dem Spiel kein großes Ding geworden, sondern muss sich nun um einen Nischenplatz im Free to Play Sektor prügeln?

    Star Wars, Star Wars und noch mehr Star Wars

    Jedi, Lichtschwerter, Raumschiffe, Hutten, Sith und und und. An nahezu jeder Ecke stößt man auf Elemente aus den Filmen oder Romanen des Franchise und beinahe noch so jedes Detail kommt einem eingefleischten Padawan irgendwie bekannt vor. Seien es die Soundeffekte des Blasters oder der piepsigen Droiden, die Kulissen der Planeten, wie Coruscant oder Alderaan. Fest steht, dass Bioware hier ganze Arbeit geleistet und das Star Wars Universum perfekt in ein Spiel gebannt hat, auch wenn es den ein oder anderen stören könnte, dass die Handlung nicht um die Zeit der Filme, sondern Jahrtausende davor angesiedelt ist. Dies führt allerdings auch dazu, dass deutlich mehr Fantasy-Elemente den Weg in das Spiel fanden und so die magische Macht präsenter ist als in den Kinoproduktionen.

    Die Geschichte spielt also nicht in die Filme hinein, sondern setzt indirekt die Storyline der bisherigen BioWare Star Wars Rollenspiele »Knights of the old Republic (KOTOR)« 1 und 2 fort, weshalb man auf einige Anspielungen und sogar ein bekanntes Gesicht stößt. Kern der Handlung ist die Wiederauferstehung des Sith-Imperiums, das die Republik angreift und in einem kurzen Streich einen beschämenden und fragilen Friedensvertrag aufzwingt. Die Republik und die Jedi werden dadurch empfindlich getroffen, was sie dazu veranlasst sich zurückzuziehen und ihre Kräfte zu sammeln, um dem Sith-Imperium später wieder entgegen zu treten. Je nachdem welche der acht Klassen man erwählt, erlebt man dann diesen Handlungsstrang anders: Mal kämpft man auf Seiten der Sith gegen die Ritter der Republik, mal als treuer Soldat an der Seite der Jedi. Bemerkenswert ist dabei mit welcher Hingabe BioWare jede einzelne dieser Geschichten einen eigenen Spannungsbogen verliehen hat und so quasi acht verschiedene Perspektiven auf den Konflikt liefert.

    Filmreife Inszenierung der Hauptstory

    Die Story selbst ist dabei auf dem Niveau eines Einzelspielertitels inszeniert. Ganz in der Tradition der BioWare Spiele wählt man verschiedene Dialogoptionen, fängt Techtelmechtel mit Bekanntschaften an oder entscheidet sich abgrundtiefböse oder engelsgleich durch den Plot zu schlittern. Auch Gefährten, wie man sie aus Mass Effect kennt, haben den Weg in das Online-Rollenspiel gefunden, was einem auch ermöglicht alle Bestandteile der Hauptstory komplett allein zu bewältigen. Für ein MMORPG recht ungewöhnlich, funktioniert dies allerdings recht gut und verleiht dem eigenen Abenteuer auch mehr Tiefe.

    Ein weiterer Teil dieser Tiefe speist sich aber auch aus dem Umstand, dass sich die Kernelemente der eigenen Saga in Instanzierten Bereichen abspielen, wodurch man stets das Gefühl bekommt ein einzigartiges Abenteuer zu bestreiten, obwohl hunderte andere Spieler dieselben Momente durchleben. Allerdings hat die Gestaltung als Online-Rollenspiel auch ihren Preis und die Wahlmöglichkeiten bzw. die Auswirkungen der getroffenen Entscheidungen in den Dialogen ist sehr gering und die Story im Grunde linear. KOTOR und Mass Effect verwöhnte Spieler werden hier sicherlich die Nase rümpfen, doch wer hingegen bisher nur World of Warcraft oder andere Vertreter des Genre gewohnt ist, wird weiterhin über die großartig dargestellte Story frohlocken.

    MMORPG für Einzelgänger?

    Doch genau diese Vorteile von SWtoR können sich ganz schnell in Nachtteile verwandeln, wenn man sich wieder in Erinnerung ruft, dass es sich doch eigentlich um einen massiven Mehrspielertitel handelt. Wo man in den Pendants des Genres zu Zusammenarbeit mit Mitspielern gezwungen wird, kann man in der alten Republik ganz und gar allein vorankommen. Zwar kann man so spielen wann man will und wird nicht durch die Suche nach Mitspielern unterbrochen, doch gerade die, für ein MMORPG typischen und sehr wichtigen sozialen Kontakte kommen mitunter gar nicht zu Stande. Zudem gehen manche Spieler sogar soweit, andere Mitspieler als Störend zu empfinden, da sie ja eigentlich Fremdkörper in ihrem eigenen Abenteuer darstellen. Eines der Symptome ist der relativ unkommunikative Umgang der Spieler untereinander, sodass selbst beim Bestreiten einer der zahlreichen – und wieder gut inszenierten Mehrspieler-Instanzen, hier »Flashpoints« genannt – es oft kaum zu mehr als einem »Hallo«, »kennt jeder den Boss?« und »Danke für die Runde« kommt. Gemeinsame Plaudereien im TeamSpeak sind da eine Seltenheit und aufgrund der eher geringen Schwierigkeitsgrade der Missionen auch oft nicht nicht einmal nötig.

    Die Rechnung kommt prompt, wenn die Spieler plötzlich mit maximaler Stufe am Ende der Storyline ohne Gilde und Kontakten dastehen. Der sog. Endcontent verliert so nicht nur seinen Reiz, sondern ist eigentlich auch kaum noch bespielbar, denn hier reicht der eigene KI-Gefährte nicht mehr aus. Doch selbst wenn man zu den Anfangszeiten des Rollenspiels diese Kontakte hatte und sich in einer Gilde einlebte, so kam der nächste große Stolperstein schnell: Es gab kaum Endcontent…

    Maximale Stufe und nun?!

    Das wohl wichtigste Element eines jeden, auf lange Sicht ausgelegtes Online-Rollenspiel hat Bioware tödlich vernachlässigt, weshalb man außer einigen täglichen Quests, einem höheren Schwierigkeitsgrad für die bereits bekannten Flashpoints und einer Schlachtzuginstanz nichts wirklich vorfand, womit sich der Spieler bzw. ganze Gilden beschäftigen konnten. So standen viele Spieler bereits ein oder zwei Wochen nach erreichen der maximalen Stufe mit der besten im Spiel vorhandenen Ausrüstung da und wussten nun nichts mehr anzufangen und statt das BioWare und EA eiligst Content nachschoben, ließ man die Spieler Wochen, gar Monate warten bis die ersten größeren Häppchen an Inhalten nachkamen. Zu spät für viele die ihr Abonnement längst gekündigt und sich nach Alternativen umgesehen hatten. Weiterem Missmanagment von EA sei Dank, wurden auch nicht versucht die Spieler mit einer »Content-Offensive zurückzugewinnen«, sondern man kürzte den Entwicklern gar den Etat, verordnete einen halbherzigen Umstieg auf ein Freemium Modell und nahm so dem Spiel auch den letzten Wind aus den Segeln.

    Eine neue Hoffnung…

    Also alles verloren für das Spiel? Nicht ganz, denn BioWare hat zwar nun deutlich weniger Mittel zur Verfügung, doch schon ein paar neue Mechaniken eingeführt und versuchte unter anderem mithilfe des Vermächtnissystems es für Spieler attraktiver zu gestalten weitere Charaktere hoch zuspielen und so die Filetstücke des Spiels, nämlich die Hauptstorys der anderen Klassen, zu durchleben. Auch einige neue Herausforderungen, Gebiete und PvP-Events fanden den Weg in das Spiel um hochstufige Spieler und Gilden bei Laune zu halten. Mittlerweile ist auch mit »Aufstieg des Huttenkartells« die erste größere Erweiterung bekannt und bietet mit der Anhebung der Maximalstufe von 50 auf 55 neues Futter für die Lichtschwertjünger.

    Dennoch bleiben im Kern einige Fragezeichen bestehen: Denkwürdig ist so zum einen, warum jemand jetzt mit Free to Play noch ein Abonnement abschließen sollte, wo mit den Storys der verschiedenen Klassen, die besten Aspekte des Spiels nun gratis verfügbar sind und das Abo nur im eher durchschnittlichen Endgame wirkliche Vorteile bietet. Auch sind die nachgeschobenen Inhalte für hochstufige Charaktere immer noch recht schnell durchgespielt, ein vorsichtige Zwang zum Kontakt mit Mitspielern täte dem Spiel sicherlich auch gut und letztlich kann man auch noch monieren, dass »Star Wars: The Old Republic« in der Kernmechanik keine Innovationen im Vergleich zu wesentlich älteren Vertretern des Genres zu bieten hat. Kämpfe spielen sich daher eher statisch ab und auch beim Verteilen von Fähigkeitspunkten und Talenten trifft man auf nichts neues.

    Abschließend kann man aber wohl sagen, dass BioWare hier ein gelungenes, wenn auch nicht überragendes Online-Rollenspiel abgeliefert hat, welches wohl vor allem für Fans der Filme und MMORPG Neulinge oder Feierabendspieler interessant sein dürfte, da man auch mit wenig Zeit und wenig Erfahrung im Genre, alles erreichen kann. Jetzt mit Free to Play lohnt ein Blick auf jeden Fall. SWtoR wird seinen Weg gehen und seine Nische im hart umkämpften Free to Play Markt ergattern, zum Thronräuber des Genres wird der Titel aber wohl nicht mehr werden.

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